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Nachruf – Ulrich Olshausen



Das Blaue vom Himmel gespielt
Zum Tod von Werner Pirchner

Diese Lücke schließt niemand. Am vergangenen Freitag ist Werner Pirchner gestorben, ein schwerer Verlust für Österreich und alle, die glücklich über den Humor dieses unberechenbaren Originals waren. Der Kritik galt er als einer der wenigen Musiker, die die Ernsthaftigkeit von Spiel und Witz begriffen haben; Harry Lechner bezeichnete ihn als »hintersinnigen Saboteur zeitgenössischer E-Musik».

Pirchner war nur selten dem vordergründigen Gag verfallen, sondern zuerst einmal großem Handwerk verpflichtet. Als Jazzvibraphonist war er in den siebziger und achtziger Jahren ein Virtuose von höchstem europäischen Rang; er spielte etwa mit Albert Mangelsdorff und Jack DeJohnette. Als Komponist von Theater- und Filmmusik und für eine Unzahl verschiedener Kammerbesetzungen, auch Orgel und Chöre, konnte er bei oberflächlicher Betrachtung vielfach als »seriöser« Vertreter einer gemäßigten Moderne durchgehen – wegen seiner Satzkünste und deren Realisierung durch die Spitzen des österreichischen Musiklebens, auch der Wiener Philharmoniker.

Aber er unterminierte das scheinbar ernsthafte Geschehen mit der sensiblen Skepsis gegenüber allem Pathos, das der bekennende Tiroler auch in der geliebten und gleichzeitig ihre Erstarrungen erkennenden Volksmusik und allemal in der Wiener Walzerseligkeit fand. »Ich weiß nicht – soll`s was bedeuten« betitelte er einen Satz seines »Streichquartetts für Bläserquintett«, eine Art Leitsatz, aus dem Pirchner immer wieder den Antrieb für seine geistvollen Paraphrasen zog. Jodler, Blasmusik, die »schöne blaue Donau« und Nationalhymnen erfuhren ihre noblen, aber schon auch manchmal bösartigen Verwandlungen.

»EU« nannte Pirchner die vielfältigste seiner Veröffentlichungen, eine Doppel-LP, die 1987 mit dem Jahrespreis der Schallplattenkritik ausgezeichnet wurde und später auch als CD herauskam. Der Titel weist darauf hin, dass für Pirchner alle Trennungen zwischen »ernst« und »unterhaltend« gegenstandslos waren. Auf seinem Debut 1973 hatte er eine andere Seite seines multiplen Wesens herausgestellt: »ein halbes doppelalbum« war eine Sammlung bizarrer Hörbilder gegen Klerus, Militär, Patrioten, Volkstümler und andere österreichische Versteinerungen, mit Einflüssen von Brecht-Weil-Eisler, aber unter spassversessenem Verzicht auf allen pädagogischen Grimm.

Werner Pirchner, der auch im Vienna Art Orchestra spielte und die Musik zur Salzburger »Jedermann«-Inszenierung von Gernot Friedels schrieb, gab dem Flötisten Wolfgang Schulz in einer für ihn geschriebenen Sonate die Anweisung: »Spiel das Blaue vom Himmel.« Das spezielle, nicht nur von Schönwetterwolken eingefasste Blau des Werner Pirchner fehlt uns schon jetzt. Er wurde 61 Jahre alt.

 
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