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Texte von Werner Pirchner zum Werk
»L'homme au Marteau dans la Poche«
Sehr geehrte und geschätzte Trompeten-,
Horn-, Posaunen- und
Tuba-Künstler und -Künstlerinnen!
Musik sollte im allgemeinen so leicht verständlich sein wie Mozart, Schubert,
Haydn, Mahler, Schönberg, Monk, Webern, Cage, Ravel, Boulez, Basie oder
Bach etc.
Sie sollte langsam & schnell, leise & laut, tief & hoch, schwer
& leicht, lustig & traurig sein.
Sie sollte frei schweben & fahren und fliegen zugleich.
Ein Wort zur Notation: Ich habe versucht, Phrasierungszeichen und Längen
der Noten genau aufzuschreiben. Dies erschwert vielleicht das erste Lesen, bringt
aber einen Gewinn an Verständlichkeit und Präzision. Die Pausen sollten
»mit-gegroovt« werden, deshalb sind sie manchmal (auch als Ersatz
für Stichnoten) in Zählzeiten unterteilt. Zur Kompositionstechnik
sei vermerkt, daß dieses Werk nicht auf einer Zehenspitze stehend entstanden
ist. Auch habe ich beim Komponieren weder Wasser noch Lebertran zu mir genommen.
Zu den einzelnen Sätzen:
1. »A bientôt quatre-vingt-dix-neuf«
bedeutet nur, daß wir vielleicht bald Neunundneunzig sind. (Wichtig für
Bläser: Regelmäßiges Küssen bewahrt Ihren Ansatz vielleicht
bis Hundert!)
2. »Un cadeau pour Godard« ist
Jean-Luc Godard gewidmet, der in einem Interview sagte, eine meiner Kompositionen
hätte ihn zu seinem Film »Nouvelle Vague« inspiriert. Eine
große Ehre für mich.
3. »Optimissimo« schrieb ich an einem
Tag, an dem mir die Kinnlade bis zum Knie hing. Also Kopf hoch.
4. »Monsieur et Madame Pinter« ist
Madame Line Sourbier-Pinter (eine excellente Kultur-Botschafterin) und ihrem
Mann Klaus Pinter (ein excellenter Maler) gewidmet.
5. »Rennweg-Promenade & Painter Pinter«
bezieht sich auf komplizierte Kunst-Diskussionen über Rotweine, Aqua-Vit
u.a.m.
6. »Les oiseaux extraordinaires dans les bureaux«
bedeutet, daß in Ämtern etc. nicht nur fleischgewordene Ärmelschoner
sitzen. Außerdem ist »oiseau« das kürzeste Wort mit allen
Vokalen.
7. »L'homme au marteau dans la poche«
Die Legende erzählt, daß der begnadete Meister Erik Satie,
wenn er nach pianistischen Auftritten am Montmartre allein durch die weite Nacht
nach Hause ging, immer einen Hammer in der Tasche trug.
Bei dieser Gelegenheit: Als ich zwanzigjährig in diversen
Nacht-Etablissements Sänger- und Tänzerinnen am Klavier begleitete,
trug ich stets ein altes Federmesser (ohne Feder) in der Tasche. Hinweis für
die Musikwissenschaft: Dieses Messer wurde anläßlich einer eigenhändig
durchgeführten, einfachen Autoreparatur amtlich requiriert und ist seither
Teil der Waffensammlung der hiesigen Polizei. (Abteilung: Kleine Kostbarkeiten
großer Meister?)
PS: Hammer und Messer wurden soviel ich weiß nie einschlägig
benutzt. Auch nicht bei philosophischen Raufhändeln etc.
Daß Sie diese Komposition zu ihrer Erbauung benutzen, erhofft sich
hochachtungsvoll
WeRneR PiRchNeR
(Komponist und privilegierter Gelegenheitsarbeiter)
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